Alpine Transportmittel erobern die Städte

Seilbahn in Koblenz gleitet mit ContiTech Technologie

September 2011In Koblenz dreht die größte Seilbahn Deutschlands außerhalb der Alpen seit April 2011 ihre Runden. Sie gehört zu den modernsten und leistungsstärksten Seilbahnen der Welt und führt über dem Rhein zwischen Deutschem Eck und der Festung Ehrenbreitstein. Ein technisches Highlight der Gondeln sind die Luftfedern von ContiTech.

Am berühmten Deutschen Eck in Koblenz, wo Rhein und Mosel zusammenfließen, dreht die größte Seilbahn Deutschlands außerhalb der Alpen ihre Runden. Sie gehört zu den modernsten und leistungsstärksten Seilbahnen der Welt. Ein technisches Highlight an jeder der 18 Gondeln sind die Luftfedern von ContiTech. Denn ohne ein solches adaptives Dämpfungssystem würde der eine oder andere Fahrgast in den leichten Kabinen seekrank. So aber gleiten die Kabinen in knapp vier Minuten sanft und sicher über den Rhein.

Die zur Bundesgartenschau 2011 eingesetzte Anlage ist weitaus mehr als ein Transportmittel für Bergsportler. Hier hat ein Konzept Gestalt angenommen, das neue Möglichkeiten für den umwelt- und klimaschonenden urbanen Transport bereithält: „Wir machen mit diesem besonderen Projekt die Seilbahn salonfähig im innerstädtischen Verkehr. Viele Stadtplaner hatten dieses Verkehrsmittel bislang nicht auf dem Schirm. Nun erhalten wir viele internationale Anfragen, die Möglichkeiten vorzustellen“, verdeutlicht Peter Luger, Leiter der Entwicklung beim österreichischen Seilbahnspezialisten Doppelmayr, die verkehrspolitische Bedeutung der Bahn.

Das leistungsstärkste Seilbahnsystem der Welt

Der Weltmarktführer hat zur Bundesgartenschau ein Meisterstück realisiert, das er bis 2013 betreiben wird. Technische Details der Bahn zeugen von den besonderen Ingenieursleistungen: Die sogenannte „3S Bahn“ in Koblenz besitzt das leistungsstärkste Seilbahnsystem der Welt und kommt erstmals in einer Stadt zum Einsatz. Noch nie wurde eine Bahn gebaut, mit der so viele Menschen pro Stunde transportiert werden können. Fast einen Kilometer weit spannt sie sich über den Rhein – genau 850 Meter beträgt das freie Spannungsfeld zwischen den Stützen – und bietet aus bis zu 112 Metern Höhe einen spektakulären Blick auf das Weltkulturerbe Mittelrhein. Ein verbrauchsarmer, leistungsstarker Elektromotor sorgt für die Betriebsenergie. Der Strom dafür kommt ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Der Name „3S“ leitet sich aus der Konstruktion der Seilbahn ab: drei Seile – zwei Tragseile, die wie eine Fahrbahn funktionieren, und ein Zugseil – sorgen dafür, dass die Gondeln innerhalb von nur vier Minuten die Strecke zwischen Tal- und Bergstation sicher durchlaufen. „Dadurch sitzt der Fahrgast selbst bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten komfortabel und absolut ruhig in der Gondel. Das kann nur diese Konstruktion“, erklärt Peter Luger die Vorteile des Systems. Günter Sengeis, ContiTech Key Account Manager für Doppelmayr, ergänzt: „Dieses System wird durch unsere leistungsfähigen Luftfedern optimal vervollständigt. Die Kabinen sind sehr leicht und müssen gleichzeitig eine hohe Nutzlast transportieren. Unsere Produkte stabilisieren die Gondel sowohl vertikal wie horizontal, da ruckelt nichts. Auch nicht, wenn die Kabinen in die Stationen einfahren, wo sie höheren Kräften ausgesetzt sind.“ Beim Thema Seilbahn spielt vor allem auch der Sicherheitsaspekt eine zentrale Rolle. „Aus diesem Grund arbeitet Doppelmayr seit vielen Jahren mit ContiTech zusammen. Die Qualität des Materials muss absolut top sein und es muss selbst bei extremen Temperaturen lange halten“, hebt Seilbahnentwickler Luger hervor.

Perfekte Ergänzung für den urbanen Verkehr

Die bereits bestehenden „3S Bahnen“ verkehren im schweizerischen Saas-Fee, im österreichischen Kitzbühel und Sölden, im französischen Val d’Isere sowie im kanadischen Whistler Mountain. Dort gehört der Anblick von Seilbahnen zum normalen Erscheinungsbild. Das ist bei der Stadtseilbahn in Koblenz anders, sie repräsentiert eine Alternative für die Zukunft urbaner emissionsarmer Mobilität. Am Beispiel des bipolaren Flächenkonzeptes der Koblenzer Bundesgartenschau, die einerseits in der Innenstadt und andererseits auf dem Plateau der Festung Ehrenbreitstein stattfand, ist abzulesen: Die Stadtseilbahn ist eine optimale Ergänzung im urbanen Transport, denn mit diesem attraktiven, ökologisch sinnvollen Verkehrsmittel lassen sich Transportprobleme lösen und ohne Verkehrsstaus Passagiere von einem Bereich zum nächsten bringen. „Besonders dort, wo Hindernisse wie Flüsse, Berge und Täler, Straßen oder Eisenbahnen zu überwinden sind, bieten sich Seilbahnen an, um in Zukunft die Menschen umweltfreundlich und emissionsarm zu befördern“, konkretisiert Peter Luger und führt weitere Vorteile aus: „Sie sind schnell, haben keine Wartzeiten und eine deutlich höhere Transportleistung pro Stunde als zum Beispiel Nahverkehrsbusse. Sie erlauben einen kostengünstigen Bau und vor allem Betrieb durch einen hohen Automatisierungsgrad, sind lärm- und abgasarm, energiesparend und nicht zu vergessen: Sie sind winterfest.“

Alpine Transportmittel erobern die Städte

Die Seilbahn auf der Bundesgartenschau 2011
Foto: Dietmar Guth

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Foto: Dietmar Guth

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Foto: Dietmar Guth